ANDERS ALS DIE ANDERN + Gespräch

Poster ANDERS ALS DIE ANDERN

Im April/Mai 2014 zeigten wir im Rahmen der Hirschfeld-Tage NRW den ersten schwulen Film der Weltgeschichte, der durch die Zensur verboten und vernichtet wurde, aber fragmentarisch rekonstruiert werden konnte:

 
ANDERS ALS DIE ANDERN + Gespräch
(D 1919, 51 min, Regie: Richard Oswald, Stummfilm mit Musik und dt. Zwischentiteln, nicht FSK-geprüft)

 
Erpresst und vor Gericht wegen § 175.

 
So 20/04/14, 19:30, Filmforum NRW, Köln
Mo 28/04/14, 20:30, Schauburg Dortmund
So 04/05/14, 13:00, Casablanca Bochum (Sekt-Matinee)

Filmstill ANDERS ALS DIE ANDERN, zwei Jungen am Bett

Der junge Kurt Sivers (Fritz Schulz) schwärmt für den Konzertviolinisten Paul Körner (Conrad Veidt) und bittet diesen, ihm Musikunterricht zu geben. Kurts Schwester Else (Anita Berber) redet den Eltern gut zu und schließlich darf Kurt sich von Paul zum Musiker ausbilden lassen. Er wird so gut, dass er später sogar mit Paul zusammen auftritt. Der Stricher Franz Bollek (Reinhold Schünzel), der bereits Geld von Paul erpresst hat auf Grund des Schwulenparagraphen 175, sieht Paul und Kurt zusammen und verlangt abermals Schweigegeld. Paul will nicht zahlen, sieht aber auch keinen anderen Weg, als Franz wegen Erpressung anzuzeigen – selbst wenn daraufhin seine Neigung öffentlich gemacht wird.

 
Filmstill ANDERS ALS DIE ANDERN, Magnus Hirschfeld und Conrad Veidt"...der Selbstmord wird nicht dem vermeintlich krankhaften Homosexuellen, sondern der schwulenverachtenden heterosexuellen Gesellschaft angekreidet. Der deutlich erhobene Zeigefinger der Moral hat zugleich etwas Melodramatisches. Dennoch sind die unvoreingenommene Darstellung des Films und die aufklärerische Haltung wahrlich beachtlich."Cineclub

 
Nach dem ersten Weltkrieg hob die Nationalversammlung die Theater- und Filmzensur auf, woraufhin der aus Österreich stammende Regisseur Richard Oswald zusammen mit dem schwulen Sexualforscher Dr. Magnus Hirschfeld mehrere "sozialhygienische Filme" drehte. Darunter befand sich auch der erste schwule Film der Weltgeschichte, ANDERS ALS DIE ANDERN, in dem Hirschfeld eine glühende Rede über die Abschaffung des Strafparagraphen 175 hält (welcher erst 1994 gestrichen wurde). Dieser Film wurde Oswalds größter Erfolg, aber auch ein riesiger Skandal, der zur Wiedereinführung der Zensur 1920 führte. ANDERS ALS DIE ANDERN wurde umgehend verboten und alle Kopien vernichtet. Über Umwege einer ukrainischen Kopie, in der eine gekürzte Schnittfassung verwendet wurde, konnte in den 1970ern mit neuen Zwischentiteln und Standbildern verlorener Szenen eine 51-minütige, fragmenthafte Rekonstruktion von ANDERS ALS DIE ANDERN erstellt werden.

 
Weil selbst heutzutage der Mut von heterosexuellen Schauspielern gelobt wird, wenn sie homosexuelle Rollen spielen (z.B. von Matt Damon für LIBERACE), wird es vielleicht einige überraschen, dass die ANDERS-ALS-DIE-ANDERN-Darsteller weiterhin erfolgreiche Karrieren hatten. Conrad Veidt spielte in Klassikern wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920), "Jud Süß" (1934) und "Casablanca" (1942); Fritz Schulz spielte in Hitchcocks "Berüchtigt" (1946) und schuf 1933 als Autor und Regisseur die Originalfassung von "Victor und Victoria".

Zählermarke

Hier der fragmentarische Film in voller Länge mit englischen Zwischentiteln: