LIVING LIBRARY & Couchgespräche

English project information

Everything has a story: people, places and events.

History is not merely constituted by simple facts like amendments to laws, business openings, minutes of meetings, or events. True history is the stories behind it, the chance meetings, acquaintances and connection between people; it is the different layers of motivations, needs and disparities, the moments of very personal decisions.

The Living Library is our digital media archive. In it, we collect not only documents, but we primarily record the personal motivations, experiences and activities of all those who have been, and are still, involved in the LGBTIAQ movement as contemporary witnesses and activists. How did the movement start? What motivated them to get active and what have they achieved? How did the zeitgeist shape them and vice versa? For this purpose, we lead video interviews, many of which are being held as public events under the label „Couchgespräche“ (sofa talks) in the West-German queer capitol Cologne.

Everything started in the summer of 2019 when, to mark 50 years of Stonewall and 40 years of Cologne Pride, the magazine BOX and the association Neue Medien organised two „Couchgespräche“ in co-operation with Cologne Pride (KLuST), Remember Stonewall as well as homochrom. It became clear that due to the age of many contemporary witnesses, it is urgently necessary to record their/our history as soon as possible.

In contrast to the USA with their show-and-tell mentality, there aren’t as many private and public archive materials in Germany. Therefore, many aspects are in danger of falling into oblivion. More than forty years of queer contemporary history, which has hardly been recorded to date, should be recorded in a digital memory, made available, comprehensible and tangible as a source of inspiration for informative, emotional, and artistic engagement, for present and future activities.

For this reason, homochrom has advanced this project in co-operation with Neue Medien e.V. and other institutions to establish a public media archive. In 2021, we received funding within the framework of „Neustart Kultur“ by the Federal Government Commissioner for Culture and the Media. This enabled us to host many more talks and expand our effords. Thus originated our Living Library, which now has it’s own domain: living-library.eu.

Below is an overview of the „Couchgespräche“ in reverse chronological order. As the project is German-language, so is the following information.

Living Library

 

Alles hat eine Geschichte: Menschen, Orte und Ereignisse.

Geschichte besteht nicht nur aus bloßen Daten wie Gesetzesänderungen, Geschäftseröffnungen, Sitzungsprotokollen und Veranstaltungen. Die wahre Geschichte sind die Geschichten dahinter, die zufälligen Beziehungen, Begegnungen und Verbindungen von Menschen, es sind die unterschiedlichen Schichten aus Beweggründen und Ansichten, Bedürfnissen und Ungleichgewichten, die Momente sehr persönlicher Entscheidungen.

Die Living Library ist unsere digitale Mediathek. In ihr sammeln wir nicht nur Zeitdokumente, sondern halten vorrangig die persönlichen Beweggründe, Erfahrungen und Erlebnisse all jener fest, die als Zeitzeug*innen sowie Aktivist*innen an der LSBTIAQ-Bewegung und -Szene Teil hatten und haben. Wie ist die Bewegung entstanden? Was bewog sie dazu, sich zu engagieren, und was haben sie bewirkt? Wie hat der Zeitgeist sie beeinflusste und umgekehrt? Zu diesem Zweck führen wir Videointerviews, von denen viele unter dem Titel „Couchgespräche“ öffentlich in der westdeutschen queeren Hauptstadt Köln wie auch online stattfinden.

Logo Couchgespräche, Zeitzeugen- und Zeitzeuginnen-Projekt in Köln

Angefangen hat alles im Sommer 2019 anlässlich von 50 Jahren Stonewall und 40 Jahren Kölner CSD, als das Magazin BOX und der Verein Neue Medien zum Cologne Pride zwei „Couchgespräche“ in Kooperation mit dem Cologne Pride (KLuST), Remember Stonewall sowie homochrom organisierten. Dabei wurde deutlich, dass es aufgrund des Alters vieler Zeitzeug*innen dringend geboten ist, ihre/unsere Geschichte baldmöglichst festzuhalten.

Im Gegensatz etwa zu den USA mit ihrer Show-and-tell-Mentalität gibt es in Deutschland nicht so viele private und öffentliche Archivaufzeichnungen und -materialien. Darum drohen hierzulande viel mehr Aspekte komplett in Vergessenheit zu geraten. Vor allem die über vierzigjährige, bis heute kaum festgehaltene queere Zeitgeschichte sollte für eine informative, emotionale und künstlerische Auseinandersetzung in einem digitalen Gedächtnis erfahrbar, nachvollziehbar und als Quelle der Anregung für heutige und zukünftige Aktivitäten festgehalten werden.

Deswegen entwickelte homochrom das Projekt in Kooperation mit Neue Medien e.V. und anderen Institutionen weiter, um eine lebendige Mediathek aufzubauen. Dafür erhielten wir 2021 Fördergelder im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, wodurch wir deutlich mehr „Couchgespräche“ veranstalten und das Projekt ausbauen konnten. So ist die Living Library entstanden, die eine eigene Homepage bekommen hat: living-library.eu.

 

Hier findest du eine Übersicht der bisherigen „Couchgespräche“ in rückläufiger Chronologie.

 

28.11.2021, 16:00 Uhr, Ort: anyway, Köln + online
Thema: 30 Jahre lesbische Sichtbarkeit
Zeitzeuginnen: Ulrike Anhamm, Sabine Arnolds
Moderation: Ricarda Hofmann

Thema

30 Jahre lesbische Sichtbarkeit

Vor 30 Jahren, 1991, gründete sich der Kölner Lesben- und Schwulentag (KLUST) als Zusammenschluss verschiedener lesbischer und schwuler Organisationen wie auch Einzelpersonen, um den Kölner CSD zu organisieren. Ziel war und ist es, eine Öffentlichkeit für die Vielfalt der Liebe und Lebensentwürfe zu schaffen, die ansonsten im Stadtleben untergeht.
Eine Situation, die lesbischen Frauen auch innerhalb der Szene, heute LSBTIAQ-Gemeinschaft oder -Community genannt, sehr bekannt ist: Auch wenn Lesben im Namen zuerst erwähnt wurden, so war es für sie ein mühsamer Weg, als gleichwertig wahrgenommen zu werden. Innerhalb des KLUSTs mussten sie sich gegen die Dominanz der Interessen der schwulen Männer durchsetzen. Auch in der Öffentlichkeit und den Medien, die lange vom CSD als „Schwulendemo“ sprach, mussten sie um Beachtung kämpfen. Im SCHuLZ, dem damaligen Schwulen- und Lesbenzentrum (1985-2003), kamen die Frauen ebenfalls nicht drumherum, sich ihre eigenen (Zeit-)Räume zu erobern.
Dabei waren gerade die 90er Jahre auch für die lesbische Szene ein Jahrzehnt des Aufbruchs, in dem sich die Gastro- und Partyszene für Lesben enorm entwickelte. Ob Karneval, Kulturfestivals oder Kunst, Lesben waren allgegenwärtig und lesbische Frauen wie Hella von Sinnen oder Maren Kroymann wurden zu Kultfiguren des Fernsehens.
Trotz steter Veränderungen sahen viele Lesben die Notwendigkeit, durch einen WomenPride im Rahmen des CSDs wie auch seit einigen Jahren durch einen Dyke-March mehr Gemeinsinn und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erreichen.
Zwei Menschen, die nicht nur als Zeitzeuginnen diese Entwicklung aus verschiedenen Blickwinkeln über die Jahrzehnte beobachtet, sondern diese als Aktivistinnen selbst mitgeprägt haben, sind Gäste in diesem Couchgespräch: Sabine Arnolds (Journalistin, ehemals im Vorstand von Aidshilfe Köln und KLUST) sowie Ulrike Anhamm (Journalistin, Mitbegründerin der Zeitschrift Lespress).

Zeitzeuginnen

Ulrike Anhamm

Jahrgang 1961, machte neben ihrem Studium in den 80ern erste Erfahrungen im Fotojournalismus bei einem Bonner Pressebüro im Regierungsviertel, fotografierte in der freien Theaterszene und wurde Anfang der 90er Mitbegründerin des Bonner Schwulen- und Lesbenmagazins Mixtour. Sie engagierte sich einige Jahre bei Act Up Köln, wurde Redaktionsmitglied der Zeitung Boulevard HIV und arbeitete ehrenamtlich etliche Jahre in der Aids-Hilfe Bonn.
Als Posaunistin spielte sie im lesbisch-schwulen Orchester Homophonia Colonia, dem Christopher-Street-Orchester (CSO) und dem Rainbow Symphony Cologne (RSC) auf diversen Kölner CSDs.
1995 gründete sie mit Monika Richrath das erste monatlich bundesweit erscheinende Lesbenmagazin Lespress, das bis 2006 erschien.
Ulrike Anhamm ist immer noch Journalistin und Fotografin und spielt immer noch Posaune – allerdings nicht mehr hauptsächlich in queeren Zusammenhängen.

 

Sabine Arnolds

Jahrgang 1962, wuchs mit drei Brüdern in einer Patchwork-Familie auf, als es den Begriff noch gar nicht gab. Nach dem Sportstudium arbeitete sie zunächst 15 Jahre lang bei einem Verband, davon 10 Jahre als Redakteurin. Anschließend war sie für ein Jahrzehnt freiberufliche Journalistin. Ab 1990 engagierte sie sich ehrenamtlich in der Aidshilfe Köln. Besonders lag ihr dabei die Öffentlichkeitsarbeit am Herzen. Gespräche über das Stigma und das Tabu, das mit HIV und AIDS einherging, führte sie mit Leidenschaft.
Seit Beginn des jährlich stattfindenden Kölner CSDs gehörte sie zum festen Stamm von Mitarbeitenden auf dem Bierstand oder am Infopoint der Aidshilfe. Nach 11 Jahren Vorstandsarbeit wechselte sie 2009 in den Vorstand des KLuSTs und verantwortete dort vier Jahre lang die Pressearbeit des CSD Köln/Cologne Pride, knüpfte internationale Kontakte wie auch in die Politik.
2012 gründete sie mit Daniela Zysk das Online-Magazin phenomenelle.de. Die beiden Ko-Gründerinnen holten schnell auch Ulrike Anhamm ins virtuelle Boot. Seit 2009 kommt für Sabine erstmals das aktivistische und berufliche Leben zusammen. Sie arbeitet für den Dachverband Lesben und Alter e.V. als Referentin und Leitung der Geschäftsstelle.

Moderation

Ricarda Hofmann

geboren 1987 in Düsseldorf, begann 2009 während des Bachelorstudiums der Politikwissenschaften in Würzburg Bühnenprogramme und Gags zu schreiben. Neben Comedy-Newcomern arbeitete sie auch für etablierte Comedians wie Markus Krebs oder Rüdiger Hoffmann. Bis heute entwickelt Ricarda Sketche und Texte für Bühne, Radio-, Web- und Fernsehformate.
2018 gründete sie „Busenfreundin“, den aktuell reichweitenstärksten LSBTIQ-Infotainment-Podcast in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2020 folgten ein thematisch an den Podcast anknüpfende Online-Magazin sowie eine gleichnamige Party-Eventreihe. Mit ihrer Podcast-Live-Tour ist Ricarda ab 2022 unterwegs.

Video

Living-Library-Video zum Thema 30 Jahre lesbische Sichtbarkeit

04.07.2021, 16:00, online
Thema: Gedächtnis und Archiv des schwulen Kölns
Zeitzeugen: Alexander Mounji, Martin Sölle
Moderation: Jürgen Künz

Thema

Gedächtnis und Archiv des schwulen Kölns

Alles hat eine Geschichte: Menschen, Orte und Ereignisse – selbst der Ort, der seit Jahrzehnten die Geschichte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*- und intergeschlechtlichen Menschen in Köln festhält: das Centrum Schwule Geschichte (CSG).
Was seit 1984 zusammengekommen ist, kann sich sehen lassen: ob Akten schwuler Vereine, Flugblätter, Broschüren, Plakate, Zeitungsausschnitte, Fotos, Videos, Tonträger oder sonstige Materialien der Schwulenbewegung. Es gibt Zeitzeugeninterviews auf Kassetten sowie in Transkription, deren Erzählungen zurück bis in die Zeit der Weimarer Republik gehen. Das CSG sieht sich als „Gedächtnis und Archiv der Schwulenbewegung in Köln und im Rheinland“, ermöglicht wissenschaftliche Forschung und leistet Aufklärungsarbeit.

Zeitzeugen

Alexander Mounji

Jahrgang 1989, ist Student der Neueren Geschichte im Master-Studiengang. Seinen Schwerpunkt hat er auf LSBTIQ-Themen gelegt. Auch als Aktivist sowie privat ist er viel in queeren Kontexten unterwegs. Er hat als Praktikant im Kölner Frauengeschichtsverein seine Bachelorarbeit zum „Transsexuellen-Problem“ über einen Vorfall im autonomen Frauenzentrum in der Kölner Eifelstraße verfasst. Mounji ist Mitarbeiter im Centrum Schwule Geschichte in Köln, wo er gerade eine Trans*-Abteilung aufbaut. Besonders interessiert er sich für die Schnittstellen und Konflikte innerhalb queerer Bewegungen und Communities. Er möchte verstehen, wie es historisch erwachsen ist, dass diese Personengruppen sich auch heute noch oft eher unversöhnlich gegenüberstehen und was für Ansätze der Zusammenarbeit es bereits gegeben hat. Seine Masterarbeit schreibt er über den Konflikt zwischen der glf Köln und ihrer linken Abspaltung SAK. Als Trans*-Mann, der in homo- bzw. bisexuellen Kontexten unterwegs ist, ist er auch privat daran interessiert, sich eher auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren als auf Differenzen und Trennungen.

 

Martin Sölle

Jahrgang 1956, hat sich bereits in seiner Jugend engagiert, sowohl bei Amnesty International als auch in Schülerbasisgruppen. Nach dem Abitur studierte er Jura, bis er 1984 eine Buchhändlerlehre begann. Er arbeitete in der „Bücherstube am Dom“, bis er 1990 in den „Anderen Buchladen“ einstieg, der als alternatives Projekt gegründet worden war. Sölle übernahm die Ehrenfelder Filiale. Dem Geschäft in der Wahlenstraße, welches seit 2013 als „Buchsalon Ehrenfeld“ firmiert, wurde 2018 und 2019 der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen. Als Vorstandsmitglied des Centrums Schwule Geschichte, das er 1984 mitgegründet hat, begleitet Sölle nicht nur die Entwicklung der Emanzipation, sondern sorgt auch dafür, dass die lange Zeit der Unterdrückung und Verfolgung nicht in Vergessenheit gerät. Dafür und auch für sein sonstiges Engagement wurde der Kölner Buchhändler von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und bereits früher vom damaligen Schwulen Netzwerk NRW mit der Kompassnadel ausgezeichnet. Sölle, der auch Stadtführungen zur schwulen Geschichte organisiert, ist seit Jahren im Vorstand des 1988 gegründeten Verein EL-DE-Haus engagiert, dem Förderverein des Kölner NS-Dokumentationszentrums.

Moderation

Jürgen Künz

Jahrgang 1963, kann auf viele Jahre journalistischer Tätigkeit (ADAM, BOX, Du&Ich und First) zurückblicken. Zudem hat er Mitte der 90er die jährlich bundesweit stattfindende „Rote Schleifen Aktion“ ins Leben gerufen. Zahlreiche lesbisch-schwule Veranstaltungen wurden von ihm kreiert und durchgeführt. Aktuell unterstützt er homochrom redaktionell bei den „Couchgesprächen“.

Video

Living-Library-Video zum Thema Gedächtnis und Archiv des schwulen Kölns

06.06.2021, 16:00, online
Thema: Schwule auf dem Land
Zeitzeugen: Heinz Peters, Michael Schuhmacher
Moderation: Jochen Langer

Thema

Schwule auf dem Land

Vier Fünftel der deutschen Bevölkerung leben in den Städten, in ländlichen Regionen gerade einmal 22%. Doch wie leben Schwule auf dem Land, wo man jeden Nachbarn und jede Milchkuh beim Namen kennt?
In unserem Juni-Couchgespräch plaudert Moderator Jochen Langer mit zwei schwulen Männern, die im Laufe ihres Lebens im queeren Köln etwas bewegten. Sowohl Michael Schuhmacher als auch Heinz Peters schätzen zwar die Vorzüge der Großstadt, genießen aber noch mehr die Ruhe und den Frieden auf dem Land. Deshalb hat sie sich Michael schon vor Jahrzehnten ein Häuschen im Hunsrück und Heinz sogar gleich einen ganzen Gutshof in der Eifel gekauft. Schwulsein im Dorf, geht das? Michael und Heinz werden über ihre Erfahrungen mit den Nachbarn, auf der Dorfkirmes, über Gartenarbeit, handwerkliche Arbeiten als Daueraufgabe in den alten Gemäuern und den Bau einer Kapelle berichten.

Zeitzeugen

Heinz Peters

Der 1943 geborene Rheinland-Pfälzer lebt in Burscheid, welche bloß 8 Einwohner hat und Teil der Gemeinde Berkoth im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Er ist Exportkaufmann, Psychotherapeut & Heilpraktiker und Mitbegründer der Triviatas (siehe Couchgespräch Schwule Männerchöre in Köln).

 

 

Michael Schuhmacher

1958 in Wiesbaden, wuchs er in Rheinbach im Rhein-Sieg-Kreis auf. Der gelernte Bankkaufmann war erst ehrenamtlicher Mitarbeiter der Aids-Hilfe Bonn, bevor er Leiter des HIV-Referats der Deutschen Aidshilfe (DAH) in Berlin sowie Geschäftsführer der Aidshilfe Köln wurde.
Seit 15 Jahren pendelt er zwischen seiner Kölner Wohnung am Rudolfplatz und seinem Haus in Beulich im Hunsrück. Die rheinland-pfälzische Gemeinde zählt 466 Einwohner.

Video

Living-Library-Video zum Thema Schwule auf dem Land

30.05.2021, 17:00, online
Thema: Sozial gerecht für alle
Zeitzeug*innen: Elfi Scho-Antwerpes, Hans Mörtter
Moderation: Jürgen Künz

Thema

Sozial gerecht für alle

In diesem Couchgespräch unterhalten wir uns mit zwei Menschen , die sich in Köln seit Jahrzehnten gerade auch für LSBTIAQ-Menschen einsetzen: Elfi Scho-Antwerpes und Hans Mörtter.
Mit in ihrem Wirken und sozialen Engagement für die Belange und Rechte von Lesben, Schwulen und queeren Menschen wurden die Politikerin Elfi Scho-Antwerpes und der Pfarrer Hans Mörtter in Köln stadtbekannt. Von ihnen hören wir, was sie dazu bewegte, sich besonders für die queere Community einzusetzen, über ihre Verbindungen sowie Erfahrungen in der AIDS-Arbeit, den Auswirkungen von Homophobie, die Bedeutung queerer Veranstaltungen und Initiativen in Köln und die Entwicklung Kölns zur Rainbow City.

Zeitzeug*innen

Elfi Scho-Antwerpes

1952 geboren in Rösrath (bei Köln), Diplomingenieurin.
Seit 1988 Vorstand der AIDS-Hilfe Köln. Kreisvorsitzende des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtverbandes Köln.
Seit 2004 Mitglied des Rates der Stadt Köln (SPD) als Mitglied und ehrenamtliche Bürgermeisterin. Seit 2009 bis 2020 erste Bürgermeisterin der Stadt Köln. Schwerpunktmäßig ist sie in den Politikbereichen Soziales, Kultur und Integration tätig, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender und Transsexuelle.
2015-2017 Mitglied des Deutschen Bundestages, ihre couragierte Rede, die sie am 17. Mai 2017, gehalten hatte wurde im Netz tausendfach geteilt und gefeiert. „Vielfalt ist Normalität, es gibt keine Liebe zweiter Klasse“, so Scho-Antwerpes unter den Protesten der einen Hälfte des Bundestags und dem Applaus der anderen Hälfte.
Scho-Antwerpes ist ein fester Bestandteil der queeren Community, fördert dort die Vernetzung untereinander und treibt zahlreiche Projekte an.
Elfi Scho-Antwerpes wurde das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen und sie wurde sowohl mit dem internationalen „Tolerantia“-Preis für ihr hohes Engagement gegen Homophobie wie auch mit dem „Rosa-Courage-Preis“ ausgezeichnet.

 

Hans Mörtter

geboren 1955 in Bonn, dort auch Studium
der Ev. Theologie. Vikariat in Bonn-Beuel mit vielen experimentellen
Versuchen. 1984/85 Pfarrstellenverwaltung der deutschsprachigen Auslandsgemeinde in Bogotá und karibische Küste. Hier widmete er sich insbesondere der Straßenkinderarbeit. Seit 1987 Pfarrer an der Lutherkirche in der Köln-Südstadt. Umsetzung eines Konzeptes von „offener, experimenteller, dialogischer Kirche“ in Zusammenarbeit mit Künstler*innen, Tänzer*innen, Musiker*innen mit hoher Resonanz: Kirche als Lebensraum für alles, was Menschen bewegt.
Im Jahr 1994 erregte die Segnung eines schwulen Paares durch Pfarrer Mörtter bundesweit großes Aufsehen.
Mitbegründer der zweijährlichen protestantischen Karnevalssitzung PROT’s, Mitbegründer und Vorsitzender des Vringstreff e.V. – Restaurant und Begegnungsstätte der anderen Art für Obdachlose und Nicht-Obdachlose. Gründer des Menschensinfonieorchesters (gemeinsam mit dem ital. Saxophonisten Alessandro Palmitessa) – 17 obdachlose und nichtobdachlose Musiker*innen.
2017 wurde Pfarrer Hans Mörtter zusammen mit seinem katholischen Kollegen Pfarrer Franz Meurer mit dem Georg-Leber-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet.
Er ist bekennender Karnevalist, Nubbelredner, Fortuna-Pfarrer, Ehemann und Vater einer Tochter.

Moderation

Jürgen Künz

Jahrgang 1963, kann auf viele Jahre journalistischer Tätigkeit (ADAM, BOX, Du&Ich und First) zurückblicken. Zudem hat er Mitte der 90er die jährlich bundesweit stattfindende „Rote Schleifen Aktion“ ins Leben gerufen. Zahlreiche lesbisch-schwule Veranstaltungen wurden von ihm kreiert und durchgeführt. Aktuell unterstützt er homochrom redaktionell bei den „Couchgesprächen“.

Video

Living-Library-Video zum Thema Sozial gerecht für alle

02.05.2021, 16:00, online
Thema: Lederszene Kölns – Von Platzjabbeck bis Pullermanns
Zeitzeugen: Hagen Leißnig, Jochen Müller & Claus Pasel
Moderation: Martin Wolkner

Thema

Lederszene Kölns – Von Platzjabbeck bis Pullermanns

Zu den Ursprungsorten der queeren Community gehört die Leder-Szene (später im Begriff Fetisch subsumiert). Kurz nach der Entkriminalisierung der Homosexualität 1969 entstanden auch in Deutschland die ersten Vereine und Orte, wo sich die Freunde der Lederszene trafen. Ein Ort steht in Köln und Deutschland ganz besonders für diese Zeit: das Platzjabbeck in der Mathiasstr. 10 in Köln. Dort, wo heute das Pullermanns zu finden ist.
In unserem Couchgespräch sprechen wir mit Menschen, die die Kölner Lederszene hin zur heutigen Fetischszene mit gestaltet und begleitet haben. Und die zeigen auf, dass die Kölner Szene als Treffpunkt vor allem von Menschen aus der ganzen Region, besonders dem Ruhrgebiet, geprägt wurde und ihnen viel zu verdanken hat.
In diesem Zeitzeugen-Interview reden wir mit Jochen Müller, dem ehemaligen Vorsitzenden des Lederclubs MS Panther, Claus Pasel (Partner von Jochen Müller) und Hagen Leißnig, Wirt des heutigen Pullermanns.

Moderation

Martin Wolkner

wurde 1980 im Ruhrgebiet geboren und lebt seit 2004 in Dortmund. Nach einem sprach- und filmwissenschaftlichen Studium gründete er 2009 dort die Filmreihe homochrom und erweiterte sie 2010 auf andere Städte in NRW, darunter Köln. Er leitete in den 2010ern das Filmfest und seit 2021 das Litfest homochrom. Er ist zudem als Texter, Übersetzer, Untertitler, Filmkritiker und Journalist tätig, saß in Filmjurys der Berlinale, in Mannheim-Heidelberg, Amsterdam sowie Tel Aviv und hat als Autor mehrere Bücher veröffentlicht: 2015 den Roman „Vollmondbraut: Hexenjagd auf Schwedisch“ und 2019 den Roman „Morgenreport – Meine EuroPride-Fiesta in Köln“, die Novelle „Wo Wolken enden – Die Geschichte einer dunklen Seele“ wie auch den Band „immer (noch) wahr – 80 Gedichte“. Er ist zudem Herausgeber der Litfest-Anthologie „Queeres entdecken“ und des Gedichtbandes „Pride-Poesie – Gedichte des Lyrikvideo-Wettbewerbs“.

Video

Living-Library-Video zum Thema Lederszene Kölns – Von Platzjabbeck bis Pullermanns

25.04.2021, 16:00, online
Thema: Menschen, die uns beweg(t)en
Zeitzeug*innen: Carolina Brauckmann, Georg Roth
Moderation: Jürgen Künz

Thema

Menschen, die uns beweg(t)en

In unserem April-Couchgespräch reden wir mit zwei Menschen, die nicht nur das queere Köln in besonderem Maße geprägt haben, sonern uns bis heute bewegen: Carolina Brauckmann und Georg Roth.
Seit den 1970ern erkämpfen sich Lesben, Schwule und queere Menschen ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft und traten als Aktivist*innen, Macher*innen und Künstler*innen in Erscheinung. Zwei dieser Menschen, die unsere LGBT-Geschichte prägten, sind Carolina Brauckmann und Georg Roth; beide seit der ersten Stunde aktiv.
Mit ihnen reden wir über ihr Wirken, über Ereignisse, HIV/AIDS-Arbeit, Emanzipation, Kultur, Veranstaltungen und Initiativen, welche die Kölner Szene maßgeblich verändert und ihr Bild in der Öffentlichkeit geprägt haben.

Zeitzeug*innen

Carolina Brauckmann

Die 1954 geborene Historikerin und lesbisch-feministische Aktivistin gilt als „Grande Dame des lesbischen Chansons“. Brauckmann wuchs in Lüdenscheid auf, studierte in Freiburg im Breisgau Germanistik, Geschichte sowie Anglistik und forschte zur regionalen Frauengeschichte. Sie war Initiatorin vieler lesbischer Netzwerke und beteiligte sich an den großen feministischen Debatten, insbesondere die der 80er und 90er Jahre.
1988 folgte mit dem Umzug nach Köln eine 7-jährige Mitarbeit im Feministischen Archiv (FrauenMediaTurm). Seit 2003 ist sie in der Kölner LSBT-Beratungseinrichtung rubicon beschäftigt. Aktuell koordiniert sie gemeinsam mit Georg Roth die landesgeförderte Fachberatung für ältere Schwule und Lesben in NRW.
Ihr roter Lebensfaden ist das Komponieren: Im Laufe einer 35-jährigen Bühnenpräsenz gab sie Konzerte in Deutschland, Österreich wie auch der Schweiz und publizierte 6 Musik-Alben mit lesbenpolitischen, meist satirischen Liedern. 2003 wurde sie für ihr Engagement mit dem Rosa-Courage-Preis ausgezeichnet.

 

Georg Roth

1949 in Leverkusen-Schlebusch geboren, studierte er über den zweiten Bildungsweg Soziologie in Duisburg und Bielefeld. Seit Ende der 1970er engagiert er sich für queere Rechte. Bereits 1980 richtete er gemeinsam mit Justin Fabritius im Kölner Stollwerck ein großes schwules Frühlingsfest aus.
Er war Gründungsmitglied der Triviatas, Kölns erster schwuler Männerchor (siehe Couchgespräche im Februar 2021) und sammelte als Sänger und Conferencier erste Bühnenerfahrung. Ebenso ist er Mitgründer der Aidshilfe Köln, arbeitete dort in der Aufklärung und war anschließend von 1993 bis 1995 deren Geschäftsführer. Im Anschluss ergab sich für ihn die Möglichkeit, sich als Ensemble-Mitglied des „Improvisationstheater Springmaus“ ganz der Bühne zu widmen.
Mit der Figur der „Sister George“ blieb er der Szene über all die Jahre verbunden. So moderierte er zahlreiche Veranstaltungen wie den jährlichen CSD-Empfang. 2006 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Seit 2011 ist Roth für die schwule Seniorenarbeit in Nordrhein-Westfalen tätig und engagiert sich als Mitgründer bei der „Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren“, deren Vorstandsvorsitzender er ist.

Moderation

Jürgen Künz

Jahrgang 1963, kann auf viele Jahre journalistischer Tätigkeit (ADAM, BOX, Du&Ich und First) zurückblicken. Zudem hat er Mitte der 90er die jährlich bundesweit stattfindende „Rote Schleifen Aktion“ ins Leben gerufen. Zahlreiche lesbisch-schwule Veranstaltungen wurden von ihm kreiert und durchgeführt. Aktuell unterstützt er homochrom redaktionell bei den „Couchgesprächen“.

Video

Living-Library-Video zum Thema Menschen, die uns beweg(t)en

21.03.2021, 16:00, online
Thema: Queerer Sport – Wie eine Bewegung in Bewegung kam
Zeitzeugen: Ulrich Breite, Andreas Stiene
Moderation: Jürgen Künz

Thema

Queerer Sport – Wie eine Bewegung in Bewegung kam

1980 wurde in Köln mit der Gründung des SC Janus queere Sportgeschichte geschrieben. In unserem Couchgespräch erfahren wir mehr über die Entwicklung des ältesten lesbisch-schwulen Sportverein in Europa, von Outing-Problemen in den Anfängen bis hin zur Entwicklung des Vereins zu einem der mitgliederstärksten queeren Sportvereine weltweit.
Zur Geschichte gehören auch die zahlreichen Sportturniere, die der SC Janus ausgerichtet hat, von den kleinen in den Anfängen, bis hin zu den Gay Games im Jahr 2010. Nicht wegzudenken aus der queeren Sportgeschichte Kölns ist seit mehr als 25 Jahren auch der Come-Together-Cup, ein Fußballevent für mehr Akzeptanz, welches inzwischen zu einem riesigen Fußballfest für die ganze Stadtgesellschaft geworden ist. Ein Event, an dem man gerne auch das „Cream Team Cologne“ feiert, das schon mehrfach den schwulen Fußball-Meistertitel nach Köln holen konnte.

Zeitzeugen

Ulrich Breite

wurde 1964 geboren und ist in Schalksmühle im Sauerland aufgewachsen. Nach dem Abitur 1984 und dem Zivildienst studierte er zwischen 1985 und 1993 Betriebswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft in Siegen sowie Köln und beendete dieses mit dem Abschluss des Diplom-Kaufmanns. Von 1994 bis 1999 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für einen FDP-Bundestagsabgeordneten tätig. Seit der Kommunalwahl 1999 arbeitet er als hauptamtlicher Geschäftsführer der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln.
Seit seinem 16. Lebensjahr spielt er Volleyball im Verein und seit seinem Studienwechsel 1988 nach Köln im SC Janus, Kölns schwul-lesbischem Sportverein. 1992 ließ er sich dort in den Vorstand wählen, dem er von 1994 bis 2005 als 1. Vorsitzender vorstand.

 

Andreas Stiene

Jahrgang 1964, ist in Essen geboren und aufgewachsen. Dort hat er seit seinem 9. Lebensjahr insgesamt 18 Jahre lang aktiv Fußball gespielt, zuletzt in der Landesliga. Anfang 1992 zog es ihn nach Köln. Seine langjährige Tätigkeit bei der Polizei, zuletzt als Kriminalkommissar, gab er auf und er wurde in Köln als angestellter Makler für Gewerbeimmobilien tätig.
Er war von Beginn an beim „Cream Team Cologne“, dem ersten schwulen Kölner Fußballteam, dabei. Stiene ist Initiator und Organisator des Come-Together-Cups, ein integratives Fußballfest, welches seit 1995 jährlich in Köln ausgetragen wird. Mittlerweile ist es Europas publikumsstärkstes, integratives Tages-Freizeitfußballturnier. Ebenso war er 2007 initiativer Mitgründer von „Andersrum rut-wiess“, dem ersten offiziellen schwul-lesbischen Fanclub des 1. FC Kölns.

Moderation

Jürgen Künz

Jahrgang 1963, kann auf viele Jahre journalistischer Tätigkeit (ADAM, BOX, Du&Ich und First) zurückblicken. Zudem hat er Mitte der 90er die jährlich bundesweit stattfindende „Rote Schleifen Aktion“ ins Leben gerufen. Zahlreiche lesbisch-schwule Veranstaltungen wurden von ihm kreiert und durchgeführt. Aktuell unterstützt er homochrom redaktionell bei den „Couchgesprächen“.

Video

Living-Library-Video zum Thema Queerer Sport – Wie eine Bewegung in Bewegung kam

28.02.2021, 16:00, online
Thema: Schwule Männerchöre in Köln – Singen für die Sichtbarkeit
Zeitzeugen: Torsten Bless, Steve Nobles
Moderation: Jürgen Künz

Thema

Schwule Männerchöre in Köln – Singen für die Sichtbarkeit

Zu einer Zeit, in der die Schwulenszene noch auf allgemeine gesellschaftliche Ablehnung stieß, gründeten sich 1982 die „Triviatas“, der erste schwule Männerchor Kölns und der zweite Deutschlands, nach dem Hamburger Tuntenchor. 1994 entstand aus einer Coming-Out-Gruppe schwuler Männer der Chor „Die Zauberflöten“ und ist bis heute einer der größten der inzwischen neun queeren Chöre der Stadt.
Ob als Gastgeber von Chorfestivals, Gastspiele im In- und Ausland oder auf heimischen Bühnen, mittlerweile können wir mit zahlreichen Gesangsvereinen auf fast 40 Jahre bewegte queere Chorgeschichte in Köln zurückblicken.

Zeitzeugen

Torsten Bless

Jahrgang 1967, lebte 29 Jahre lang in Köln. Er engagierte sich in verschiedenen Gruppen der lglf. Über viele Jahre arbeitete er redaktionell, zunächst von 1988 bis 96 ehrenamtlich für das Raus in Köln sowie von 1997 bis 2012 hauptberuflich für Printmagazine wie QUEER, UP-TOWN und rik, dazu Online-Portale wie queer.de, justbegay, eurogay und inqueery. Von 1995 bis 1997 war er hauptamtlich bei der Aidshilfe Köln in der Prävention für die schwule Szene tätig. Fast 20 Jahre lang sang und tanzte er im größten Chor schwuler Männer, den Zauberflöten. Als DJ Oldschool legt er noch heute ab und an in Köln auf. Seit 2017 lebt und arbeitet Torsten in Berlin.

 

 

Steve Nobles

Der amerikanische Musiker, geb. 1957, kam 1981 nach Köln. Er ist Pianist, Komponist, Arrangeur und Dirigent. Innerhalb eines Jahres wurde er Begleiter für die Triviatas, des ersten homosexuellen Männerchors in Köln. Durch seine Fähigkeiten machte er sich einen Namen in der Kleinkunstszene und hat mit unterschiedlichen Acts wie Dirk Bach, Springmaus Improvisationstheater und Wanda Rumor zusammengearbeitet. Als Gründungsmitglied des Rainbow Symphonie Cologne Orchesters hat er seit 2015 die künstlerische Leitung inne.

Moderation

Jürgen Künz

Jahrgang 1963, kann auf viele Jahre journalistischer Tätigkeit (ADAM, BOX, Du&Ich und First) zurückblicken. Zudem hat er Mitte der 90er die jährlich bundesweit stattfindende „Rote Schleifen Aktion“ ins Leben gerufen. Zahlreiche lesbisch-schwule Veranstaltungen wurden von ihm kreiert und durchgeführt. Aktuell unterstützt er homochrom redaktionell bei den „Couchgesprächen“.

Video

Living-Library-Video zum Thema Schwule Männerchöre in Köln – Singen für die Sichtbarkeit

31.01.2021, 16:00, online
Thema: 4 Jahrzehnte LGBT+-Szene in Köln
Zeitzeug*innen: Maren Wuch, Reinhard Klenke
Moderation: Michael Zgonjanin

Thema

4 Jahrzehnte LGBT+-Szene in Köln

Mitte der 1990er Jahre erscheint „Das andere Stadtbuch. Lesben und Schwule in Köln“, herausgegeben von Michael Meigler, Marianne Rogler und Melanie Grande. Es ist ein umfassendes Zeitzeugnis der damaligen Kölner LGBTIQ-Szene. Etwas später, 1998, treten Stephan Runge und Claus Vincon mit ihrem Lied „Der geilste Arsch der Welt“ erstmals auf der Hauptbühne des Kölner CSDs auf. Sie geben damit das Lebensgefühl zur Hochzeit der Kölner Community wieder und schaffen so die Hymne der queeren Szene in Köln.

Zeitzeug*innen

Maren Wuch

ist seit 1985 in unterschiedlichen LGBTIQ-Zusammenhängen in Köln und international aktiv. Angefangen hat alles im Frauen- und Lesbenreferat der Uni Köln. Nur wenig später engagierte sie sich in der Kulturgruppe der lglf (Lesbian & Gay Liberation Front) im SCHULZ (Schwulen- und Lesbenzentrum). Von 1989 bis 1998 in der ILGA, wo sie u.a. das Action Secretariat mitbetrieb und nach Gründung von ILGA Europe Mitglied des Vorstandes war.
Nach einer längeren Bewegungspause hat sie 2014 den Dyke* March Cologne ins Leben gerufen, der 2015 zum ersten Mal bunt und prominent durch Kölns Straßen zog. Im nicht ehrenamtlichen Leben ist Maren als Kommunikationsexpertin vor allem in digitalen Welten zuhause. Sie liebt das Fotografieren, moderne Kunst, Musik und Fußball.

 

Reinhard Klenke

ist seit 1978 schwulenpolitisch aktiv. Nach Köln brachte ihn 1987 seine Mitarbeit beim Aufbau der Aidshilfe NRW. Dort war er bis zu meiner Berentung stellvertretender Landesgeschäftsführer mit Arbeitsschwerpunkt Schwulenarbeit/Prävention. Ehrenamtlich engagierte er sich im Vorstand der Aidshilfe Köln, dem Schwulen Netzwerk NRW, dem Paritätischen Landesverbandes und aktuell in der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren. 1991 gehörte er zum Gründungsvorstand des Kölner Lesben- und Schwulentags (KLuST). Er ist Ehrenmitglied der Deutschen Aidshilfe, der Aidshilfe Köln und des Rubicon. 2014 wurde ihm für sein schwulen- und aidspolitisches Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Video

Living-Library-Video zum Thema 4 Jahrzehnte LGBT+-Szene in Köln

11.06.2019, 19:30 Uhr, Ort: Ruhrpott, Köln + online
Thema: Das Kölner Pimpernel: Wie Gay Disco die Welt veränderte
Zeitzeugen: Jochen Saurenbach, Michael „DJ Bella“ Weber
Moderation: Martin Wolkner
ein Projekt vom Magazin BOX und Neue Medien e.V. mit Unterstützung von Cologne Pride (KLuST), Remember Stonewall und homochrom

Thema

Das Kölner Pimpernel: Wie Gay Disco die Welt veränderte

Mehr als Emanzipationsgruppen und Demonstrationen veränderte die neue schwule Subkultur der siebziger Jahre das Bewusstsein einer ganzen Generation junger, schwuler Männer.
Wo vorher Sitztische und Tanzschritte in plüschiger Atmosphäre vorherrschten, bewegte Mann sich nun selbstbewusst zu Disco Rhythmen durch die neue Glitzerwelt. “I Will Survive”, “The DJ saved my life”, “We Are Family”, “I feel love” bis “It’s Raining Men” wurden die Hymen des Gay Lifestyle.
Kein anderer Ort der siebziger Jahre steht in Deutschland für diese Entwicklung, wie das „Pimpernel“ am Rudolfplatz in Köln. Weltweit bekannt war es war die erste schwule Disco, die diesem neuen Sound und Bewusstsein einen Ort gab. Und mehr noch: In der Person seines Inhaber Jochen Saurenbach war es auch der Ort der politischen Aktionen, wurde zum Treffpunkt der „Schwulen Aktion Köln“ oder zur Gründungsstätte der „Schwulen Sozialdemokraten“ (SchwuSos).
Über die Rolle der schwulen Subkultur in den siebziger Jahren im Allgemeinen und über das Pimpernel im Besonderen begrüßen wir Jochen Saurenbach und Michael „DJ Bella“ Weber zum Couchgespräch in Ruhrpott.

Zeitzeugen

Jochen Saurenbach

war von Anfang an politisch in der Schwulenszene aktiv, Anfang der 70er Jahre Gründungsmitglied und Initiator der SAK (Schwule Aktion Köln) und des GLF-Köln. Er betrieb in den 70ern und 80ern die legendäre Szene-Club-Disko Pimpernel. Wichtig war für ihn von Anfang an, dass es keine Ab- bzw. Ausgrenzung der politischen Gruppen der Schwulenbewegung gab. Schon im Pimpernel hatte er dazu eine politische Diskussionsgruppe ins Leben gerufen. Trotz seiner AIDS-Erkrankung ist er bis heute aktiv und schreibt sowie fotografiert nach wie vor für das von ihm mitbegründete Magazin der Leder- und Fetischszene BOX.

 

Michael „DJ Bella“ Weber

geboren am 1958 in Eitorf (Sieg), wohnt seit seinem 2. Lebensjahr in Köln und machte eine Ausbildung zum Koch. In den 1970ern und 80ern war er als DJ Bella im Pimpernel tätig. Er war in den 2000ern vierzehn Jahre lang Mitglied im schwulen Karnevalsverein „StattGarde Colonia ahoj“. 2008 entdeckte er seine Leidenschaft zum Fernsehen und war Komparse bzw. Kleindarsteller bei vielen TV-Produktionen. Außerdem war er vier Jahre lang für die Terbrüggen Show Produktion, einer Kindereventagentur, tätig. Seit 2012 steht er auch als Best-Age-Model für einige größere Unternehmen vor der Kamera.

Moderation

Martin Wolkner

wurde 1980 im Ruhrgebiet geboren und lebt seit 2004 in Dortmund. Nach einem sprach- und filmwissenschaftlichen Studium gründete er 2009 dort die Filmreihe homochrom und erweiterte sie 2010 auf andere Städte in NRW, darunter Köln. Er leitete in den 2010ern das Filmfest und seit 2021 das Litfest homochrom. Er ist zudem als Texter, Übersetzer, Untertitler, Filmkritiker und Journalist tätig, saß in Filmjurys der Berlinale, in Mannheim-Heidelberg, Amsterdam sowie Tel Aviv und hat als Autor mehrere Bücher veröffentlicht: 2015 den Roman „Vollmondbraut: Hexenjagd auf Schwedisch“ und 2019 den Roman „Morgenreport – Meine EuroPride-Fiesta in Köln“, die Novelle „Wo Wolken enden – Die Geschichte einer dunklen Seele“ wie auch den Band „immer (noch) wahr – 80 Gedichte“. Er ist zudem Herausgeber der Litfest-Anthologie „Queeres entdecken“ und des Gedichtbandes „Pride-Poesie – Gedichte des Lyrikvideo-Wettbewerbs“.

Video

Wegen des fehlenden Datenschutzes beim Einbinden von Facebook-Videos, folge bitte dem Link zum öffentlichen Facebook-Video. Das Gespräch beginnt bei Minute 10:45, also spring ein Stück vor.

04.06.2019, 19:30 Uhr, Ort: Barcelon, Köln + online
Thema: Von Stonewall zum ersten Kölner CSD
Zeitzeugen: Jochen Saurenbach, Michael Zgonjanin
Moderation: Martin Wolkner
ein Projekt vom Magazin BOX und Neue Medien e.V. mit Unterstützung von Cologne Pride (KLuST), Remember Stonewall und homochrom

Thema

Von Stonewall zum ersten Kölner CSD

Nicht nur nach Stonewall war es ein langer Weg für die LGBTIAQ-Bewegung. Auch von dem historischen Ereignis Stonewall 1969 in New York bis zu der ersten Feier des Christopher Street Days in Köln sollten noch 10 Jahre vergehen.
Warum es so lange dauerte, wie es dann doch zur Feier kam, warum der CSD in Köln lange „Gay Freedom Day“ hieß, man im besetzten Stollwerk feierte und warum nur wenige Frauen damals aktiv mitmachten, darüber reden wir mit den Initiatoren und Organisatoren der ersten CSD Feier in Köln: Jochen Saurenbach und Michael Zgonjanin.

Zeitzeugen

Jochen Saurenbach

war von Anfang an politisch in der Schwulenszene aktiv, Anfang der 70er Jahre Gründungsmitglied und Initiator der SAK (Schwule Aktion Köln) und des GLF-Köln. Er betrieb in den 70ern und 80ern die legendäre Szene-Club-Disko Pimpernel. Wichtig war für ihn von Anfang an, dass es keine Ab- bzw. Ausgrenzung der politischen Gruppen der Schwulenbewegung gab. Schon im Pimpernel hatte er dazu eine politische Diskussionsgruppe ins Leben gerufen. Trotz seiner AIDS-Erkrankung ist er bis heute aktiv und schreibt sowie fotografiert nach wie vor für das von ihm mitbegründete Magazin der Leder- und Fetischszene BOX.

 

Michael Zgonjanin

Moderation

Martin Wolkner

wurde 1980 im Ruhrgebiet geboren und lebt seit 2004 in Dortmund. Nach einem sprach- und filmwissenschaftlichen Studium gründete er 2009 dort die Filmreihe homochrom und erweiterte sie 2010 auf andere Städte in NRW, darunter Köln. Er leitete in den 2010ern das Filmfest und seit 2021 das Litfest homochrom. Er ist zudem als Texter, Übersetzer, Untertitler, Filmkritiker und Journalist tätig, saß in Filmjurys der Berlinale, in Mannheim-Heidelberg, Amsterdam sowie Tel Aviv und hat als Autor mehrere Bücher veröffentlicht: 2015 den Roman „Vollmondbraut: Hexenjagd auf Schwedisch“ und 2019 den Roman „Morgenreport – Meine EuroPride-Fiesta in Köln“, die Novelle „Wo Wolken enden – Die Geschichte einer dunklen Seele“ wie auch den Band „immer (noch) wahr – 80 Gedichte“. Er ist zudem Herausgeber der Litfest-Anthologie „Queeres entdecken“ und des Gedichtbandes „Pride-Poesie – Gedichte des Lyrikvideo-Wettbewerbs“.

Video

Wegen des fehlenden Datenschutzes beim Einbinden von Facebook-Videos, folge bitte dem Link zum öffentlichen Facebook-Video. Das Gespräch beginnt bei Minute 10:30, also spring ein Stück vor.

Förderer

Das Projekt Living Library, zu denen alle „Couchgespräche“ im Jahr 2021 gehören, wurde im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien über den Fonds Soziokultur gefördert.