THE WAY HE LOOKS (Abschlussfilm) + Interview

Das Filmfest homochrom 2014 präsentierte den Teddy-Gewinner 2014, dessen Kurzfilm 2011 den kurzen Chromie gewann – der wunderbare Wohlfühlfilm:

THE WAY HE LOOKS (Abschlussfilm)

(BR 2014, 95 min, Regie: Daniel Ribeiro, OmU, FSK 6)

HEUTE GEHE ICH ALLEIN NACH HAUSE (dt. Titel)

So 19/10/14, 20:30, Filmforum NRW, Köln
So 26/10/14, 20:20, Schauburg Dortmund

Im Februar 2015 vor Bundesstart:
So 08/02/15, 18:30, Schauburg Dortmund
Mo 09/02/15, 21:00, Bambi Düsseldorf
Di 10/02/15, 21:00, Filmpalette Köln (vorgezogen)
Mi 11/02/15, 19:00, Galerie Cinema Essen
So 15/02/15, 20:30, Lichtburg Oberhausen
Mi 18/02/15, 21:00, Casablanca Bochum

Der blinde Schüler Leonardo (Ghilherme Lobo) geht fast ohne Einschränkungen auf eine allgemeine Schule in São Paulo. Seine beste Freundin Giovana (Tess Amorim) kümmert sich um ihn und bringt ihn täglich nach Schulschluss heim. Trotzdem machen sich seine Eltern ständig Sorgen um ihn. Deswegen schmiedet Leonardo nur mit Giovanas halbherziger Hilfe Plane für ein Auslandsjahr – halbherzig, weil sie heimlich in Leonardo verliebt ist. Als der Lockenkopf Gabriel (Fabio Audi) neu in ihre Klasse kommt, freunden sich die drei sofort an. Doch Leonardo und Gabriel werden für eine gemeinsame Hausarbeit eingeteilt und verbringen bald mehr Zeit zu zweit, ohne Giovana. Und bei einer Klassenfahrt gesteht Leo seiner besten Freundin schließlich, dass er in Gabriel verliebt ist...


"Ich bin als Filmemacher tierisch verknallt in Daniel Ribeiro und seinen Film The Way He Looks. Es ist ein sanfter, wunderschöner Film, den jeder sehen sollte, der schon einmal verliebt war (oder darauf hofft)." – Andrew Putschoegl, Regisseur von BFFs

 
Warum wir, ihr und alle anderen THE WAY HE LOOKS lieben:
Wir können einfach nicht anders! Und wer den Kurzfilm gesehen hat, weiß warum: die niedlichen, überzeugenden Darsteller (nein, Lobo kann in Wirklichkeit sehen), die herzerwärmende Romanze, einfach alles an THE WAY HE LOOKS geht in die Charme-Offensive.
Autor, Regisseur und Produzent Daniel Ribeiro hat alles richtig gemacht, als er den Kurz- zum Langfilm aufgearbeitet hat: er hat seine tollen Jungdarsteller behalten, die Geschichte genau im richtigen Maß erweitert und verändert sowie den visuellen Stil und die emotionale Verzückung beibehalten. Genauso leicht und verständlich, wie Ribeiro das Leben eines Blinden erzählt, genauso locker und beiläufig wird Leonardo klar, dass er sich gerade in einen anderen Jungen verliebt. Dieser Film über die erste große Liebe, Freundschaft und das Erwachsenwerden ist der vermutlich schönste, den ihr seit langem gesehen haben werden.

 
Auszeichnungen:
Teddy Award für besten Spielfilm – Berlinale 2014
FIPRESCI-Kritikerpreis, Sektion Panorama – Berlinale 2014
Publikumspreis bester Spielfilm – Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg 2014
Publikumspreis bester Spielfilm – Frameline, San Francisco 2014
Publikumspreis bester Spielfilm – Outfest, Los Angeles 2014
Publikumspreis bester Spielfilm – Torino International Gay & Lesbian Film Festival 2014
Publikumspreis – Guadalajara Mexican Film Festival 2014
Jack Law Award – Honolulu Rainbow Film Festival 2014
2. Platz Publikumspreis der Sektion Panorama – Berlinale 2014
lobende Erwähnung für intern. Spielfilm – TLVFest, Tel Aviv 2014
und viele andere

 

 


 

Interview zu THE WAY HE LOOKS

Nach der Weltpremiere von THE WAY HE LOOKS bei der Berlinale 2014 hat sich Martin kurz mit dem Autor und Regisseur Daniel Ribeiro sowie ausführlicher mit den drei Darstellern Ghilherme Lobo, Fabio Audi und Tess Amorim unterhalten.

 

Martin: Hallo Daniel. Was hat euch dazu veranlasst, nach dem Kurzfilm noch einen Langfilm zu drehen?
Daniel: Es gab mehr von der Geschichte zu erzählen, mehr Themen, Einzelheiten und Ebenen. Ich begann zur selben Zeit am Kurz- und Langfilm zu arbeiten, aber weil der Kurzfilm bei Youtube endete, musste ich beim Langfilm einiges ändern. Es liegen drei Jahre zwischen den beiden. Als meine Darsteller erwachsen wurden, konnten wir über physischere Dinge reden, die Masturbationsszene, wir konnten ihre Körper mehr zeigen. Wir warteten sogar, bis Ghilherme 18 wurde, um den Film zu machen. Sein Geburtstag war der erste Drehtag.

Martin: Wie habt ihr das Budget zusammenbekommen?
Daniel: Wir hatten viel öffentliche Unterstützung. Man sieht ja die ganzen Logos in den ersten zwei Filmminuten.

Martin: Bei all den Änderungen, z.B. im Vergleich zum Ende des Kurzfilms, hattet ihr den Eindruck ein Risiko einzugehen, auch dass Fans enttäuscht werden könnten?
Daniel: Ja, wir hatten die ganze Zeit Angst. Aber wir mussten es ändern. Hätten wir dasselbe getan, hätte es sinnlos gewesen. Vieles ist mit dem Kurzfilm verbunden und doch anders. Aber ich glaube, es ist besser so. Es gab dem Film mehr Tiefe.

Martin: Erinnerst du dich an den Humor aus deiner Kindheit? Woher hast du so einen frischen Sinn für Humor?
Daniel: Ja, ein Teil davon stammt aus Erinnerungen. Ein Teil kommt von der Arbeit mit den jungen Darstellern. Zum Beispiel der Scherz mit Pluto.

Martin: Wie hast du diese jungen Darsteller gefunden, die so perfekt für ihre Rollen sind?
Daniel: Die drei waren ja schon im Kurzfilm – eigentlich nur sie und ein Lehrer, nur wenige andere. Wir fanden die drei durch Castings. Ich erinnere mich nicht mehr genau, es ist vier Jahre her.

 

Martin: Glückwunsch! Ich liebe den Film sehr. Wie mochtet ihr ihn? Habt ihr ihn gestern auch das erste Mal gesehen?
Ghilherme: Wir kannten ein paar Szenen, die nachsynchronisiert werden mussten während der Postproduktion.
Tess: Aber das waren nur zwei Szenen.

Martin: Was war euer Eindruck letzte Nacht?
Ghilherme: Mein Eindruck war: "Wow, es passiert wirklich!"
Fabio: Es gibt Unterschiede zum Dreh, aber trotzdem ist es großartig.

Martin: Welche Unterschiede meinst du?
Fabio: Wir drehten den Film und hatten nicht erwartet, dass der Film so begeisternd ist. Man weiß nie, was der Regisseur im Sinn hat. Das weiß man erst, wenn man den Film sieht.
Ghilherme: Manche Szenen im Drehbuch sind in einer anderen Reihenfolge und wenn man den Film sieht, sind sie an anderen Stellen. Und man denkt: "Halt, die sollte gar nicht hier sein." Aber so ist es besser.
Tess: Es war toll, die Zuschauer zu hören.
Fabio: Ja, die Reaktionen. Warst du da?
Martin: Natürlich war ich da.
Tess: Ich wusste nicht, dass mein Charakter lustig ist. (alle lachen) Aber die Zuschauer lachten und ich dachte: "Was geschieht hier?"
Martin: Es war ein großartiges Publikum und ich kann euch sagen, dass ich nie so einen tobenden Beifall nach der Vorführung erlebt habe.
Fabio: Das ist so nett.
Martin: Ich bin sicher, dass ihr einen der Berlinale-Preise gewinnen werdet.
Tess und Fabio: Das hoffen wir.

Martin: Was war euer erster Eindruck, als ihr das Drehbuch last?
Fabio: Ich reagierte sehr gut. Tatsächlich liebte ich es. Es veränderte sich sehr auf dem Weg, doch irgendwie war es ziemlich ähnlich zu dem, was wir im Kurzfilm getan hatten. Ich war froh, andere Dinge zu tun, viele verschiedene Dinge wie die Partys, es war komplexer. Ich dachte, die Leute würden es genauso genießen.

Martin: Schon bevor der Kurzfilm den Publikumspreis unseres Festivals gewann, liebte ich ihn. Als ich erfuhr, dass es einen Langfilm geben würde, war ich begeistert. Es sind drei oder vier Jahre vergangen, seit ihr den Kurzfilm drehtet. Was ist in eurem Leben in der Zwischenzeit geschehen? Habt ihr andere Filme gemacht? Habt ihr die Schule abgeschlossen?
Ghilherme: Ja, ich habe die Schule beendet. Ich bin volljährig geworden, machte meinen Führerschein. Ich habe 2012 einen Kurzfilm gemacht. Ein anderer Regisseur, eine andere Geschichte, eine andere Art von Charakter. Es hat Spaß gemacht und er hatte eine soziale Botschaft: Scher dich nicht drum, was andere über dich denken. Ich finde es wichtig, dass ein Film nicht nur unterhaltsam ist, sondern auch eine Bedeutung hat.
Fabio: Ich habe meinen Abschluss einer brasilianischen Filmhochschule gemacht. Seitdem habe ich angefangen, an ein paar Kinofilm-Produktionen mitzuarbeiten und ein paar Kurzfilme gemacht. Sie hatten nicht so viele Aufführungen. Jetzt gerade warte ich auf die Resultate von einiger Vorsprechen.
Tess: Ich studiere an einer Theaterhochschule. Das hat viel verändert. Ich habe immer Filme, Werbung und so etwas gemacht. Es war immer lustig und natürlich und ich hab's einfach gemacht. Aber für den Langfilm habe ich über so viele Sachen nachgedacht: Wie sie geht, redet, Gesichtsausdrücke. Vieles, das mir nie in den Sinn kam. Für mich war es viel schwieriger, weil ich darüber nachdachte. Aber ich denke, dass es so besser ist, jetzt da ich weiß, was ich tue – oder es zumindest glaube. (Fabio lacht)
Martin: Was immer ihr getan habt, es war perfekt. Viele, die den Kurzfilm sahen, dachten, Ghilherme wäre wirklich blind. Er war sehr überzeugend.
Ghilherme: Danke.

Martin: Wie hast du dich für den Charakter Leo vorbereitet?
Ghilherme: Ich habe mich nicht alleine vorbereitet, sondern wir taten es zu dritt. Wir mussten lernen, wie es ist, blind zu sein, Blindenschrift zu lesen, wie man mit einem Blinden umgeht, sie führt. Wir lernten tatsächlich etwas fürs Leben.

Martin: Habt ihr auch versucht, blind zu spielen?
Tess: Wir haben geübt, ihn zu führen und wie man mit Blinden umgeht, aber nicht es zu spielen.

Martin: Wo hast du es hergeholt?
Ghilherme: Ich habe einige Filme und Serien gekuckt, in denen blinde Charaktere auftauchen, und mischte es mit dem, was ich schon im Sinn hatte. Als ich zum Vorsprechen ging, hatte ich den Blick schon so gut wie fertig. Ich weiß nicht… Ich möchte nicht anmaßend wirken, aber es war da und es funktioniert. Wenn die Leute wirklich glauben, dass ich blind sei, dann ist das das größte Kompliment, das ich mit dem Charakter verdienen kann. Ich weiß das zu schätzen.

Martin: Ist Eifersucht eine große Herausforderung für Giovana? Hast du jemals solche Eifersucht selbst erlebt?
Tess: (lacht verlegen) Ich glaube, jeder ist ein bisschen eifersüchtig. Ich weiß nicht. Ich bin eine eifersüchtige Person, aber Giovana ist es mehr. Es ist nicht unbedingt Eifersucht. Sie will ihn nur zu sehr beschützen.
Ghilherme: Sie ist Leos einzige Freundin und das, seitdem sie Babys sind. Der Film sagt es nicht, aber wir wissen es, weil wir das Drehbuch kennen. Wenn man einen besten Freund hat, will man für ihn sorgen. Dieser beste Freund hat keine anderen Freunde und ist zudem blind. Er ist verletzlicher, deswegen will man umso mehr für ihn sorgen.

Martin: Wenn sie sich ihr ganzes Leben kennen, ist es vielleicht mehr eine geschwisterartige Beziehung, die zu einer Romanze wird.
Ghilherme: Sie betritt sein Zimmer und verhält sich ganz zwanglos. Sie schließen die Tür. Die Mutter besteht nicht darauf, dass die Tür offen bleibt.
Fabio: Sie sind einfach Freunde.

Martin: Ich habe keine besondere Frage an dich, tut mir leid. Möchtest du selbst etwas sagen?
Fabio: Nein. (alle lachen) Ich bin nur sehr froh.

Martin: Ich denke, der Film wird weit herumkommen. Werdet ihr auch viel reisen?
Ghilherme: Ich hoffe. Wir wissen es nicht. Das ist unsere erste Reise mit dem Film.
Martin: Es ist die Weltpremiere.
Ghilherme: Das stimmt. Es ist mein erstes Mal in Europa und ich reise nicht viel.
Tess: Es ist noch alles so neu. Es ist eine tolle Erfahrung, hier zu sein, zwischen all den Regisseuren, Schauspielern und den so unterschiedlichen Filmen. Es ist sehr bereichernd.
Ghilherme: Wir hoffen, dass wir mehr Reaktionen auf den Film in der ganzen Welt erleben können.
Tess: Besonders in Brasilien.
Ghilherme: Besonders dort.

Martin: Soweit ich weiß, ist der Kurzfilm ja schon sehr berühmt in Brasilien.
Fabio: Ja, das ist er.
Ghilherme: Ich weiß nicht, warum genau der Kurzfilm so berühmt wurde, denn wir haben andere Kurzfilme mit ähnlichem Thema, aber nicht mit derselben Herangehensweise. Alles, was Daniel ins Drehbuch brachte. Ich bin einfach sehr dankbar dafür.

Martin: Ich kann euch sagen, warum er so gut funktioniert. Ihr seid eine großartige Besetzung, seid hübsch anzusehen, seid überzeugend und das Drehbuch ist sehr süß, so menschlich, die Verletzlichkeit, wie die Charaktere füreinander sorgen, die sehr süße Romanze, der sanfte Kuss. Es ist einfach in jeder Hinsicht perfekt.

Martin: Ich denke, das wird ein großer Start eurer Karrieren. Habt ihr bereits neue Projekte?
Fabio: Ja, habe ich. Viele, aber sie sind noch nicht so weit fortgeschritten, dass ich konkret drüber reden kann. Man weiß nie, was daraus wird.
Tess: Deswegen ist es wichtig, immer Projekte zu haben.

Martin: Und Schauspieler wollen ja arbeiten. Auch alte Schauspieler gehen nicht einfach in Rente. Sie können einfach nicht aufhören. Schauspieler fürs Leben. Habt ihr das Gefühl, dass ihr das euer ganzes Leben lang machen wollt oder glaubt ihr, dass ihr in 10 Jahren nach einigen Filmen etwas ganz anderes machen möchtet?
Ghilherme: Ich weiß, dass ich immer etwas mit Kunst machen möchte. Meine Familie ist sehr künstlerisch. Meine Mutter und meine ältere Schwester sind Sängerinnen, mein Vater ist Musiker. Ich tanze, singe, ich lerne Klavier. Ich möchte bei der Kunst bleiben. Ob immer Schauspieler oder Tänzer, das weiß ich nicht.
Tess: Schauspielen ist ganz mein Ding. Ich muss es einfach tun. Ich kann nicht anders.
Fabio: Ich denke auch, dass ich was Künstlerisches machen möchte, aber ich weiß nicht, ob ich in 10 Jahren noch Schauspieler sein werde. Ich weiß nicht, was in 10 Jahren sein wird. Alles könnte möglich sein. Aber ich mag, wie es im Moment ist und möchte erst mal weitermachen.

Martin: Dann wünsche ich euch viel Erfolg mit allem, was ihr machen werdet. Danke euch für das Gespräch!